Jedes Kind braucht ein stabiles Umfeld, in welchem es Liebe, Fürsorge und Respekt erfährt. Nicht alle Eltern sind jedoch in der Lage, ihren Kindern das Zuhause zu bieten, welches sie benötigen, weshalb es für einige Kinder besser ist zeitweise bzw. dauerhaft bei einer Pflegefamilie zu leben.

Damit diese Familie zu einem sicheren Ort werden kann, an dem traumatisierte Kinder Geborgenheit und Unterstützung erleben, bedarf es jedoch einer umfassenden und intensiven Vorbereitung und Qualifizierung von Pflegefamilien.

Pflegekindern ein neues Zuhause bieten

Die meisten Pflegekinder stammen aus Familien, in welchen die Eltern ihre Rolle als versorgende und schützende Bezugspersonen nicht erfüllen und elementare Grundbedürfnisse ihrer Kinder nicht erkennen können. Oftmals haben die Kinder Vernachlässigung, Gewalt oder Missbrauch erfahren und sind durch ihre Erfahrungen und Erlebnisse stark geprägt. Aus diesen Gründen benötigen sie in besonderem Maße zuverlässige Bezugspersonen, die für sie da sind und für sie sorgen und ihnen die notwendige Geborgenheit und Sicherheit bieten.

Indem Pflegefamilien ein Pflegekind mit meist schwierigem lebensbiographischem Hintergrund in ihre Familie aufnehmen, erfüllen sie demnach eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Sie öffnen ihre Familien für pflegebedürftige Kinder und bieten diesen ein Zuhause, in welchem sie Schutz, Verständnis, Liebe und Förderung erhalten können. Neben  Grundbedürfnissen wird auch auf spezielle Bedürfnisse der Kinder eingegangen. So können die Pflegefamilien den Kindern bei der Verarbeitung von Erlebnissen helfen, sowie diesen geeignete Förderungen und emotionale Unterstützung anbieten.

Pflegekinder als Herausforderung

Da die Pflegekinder jedoch meist durch sehr schwierige Familienhintergründe geprägt und dadurch nicht immer „einfach“ sind, werden sowohl die Pflegeeltern, als auch deren eigene Kinder in dieser Situation stark gefordert und manchmal auch überfordert.

Damit Pflegeeltern diese Herausforderung gut bewältigen können und das Zusammenleben gelingen kann, benötigen die Familien von Beginn an professionelle Fachberatung und Unterstützung durch unterschiedliche Qualifizierungsmaßnahmen, sowie kollegialen Austausch im Rahmen einer Supervision.

Vorbereitung für künftige Pflegeeltern

Die Pflegeeltern sollten in einer Vorbereitungsphase dazu befähigt werden, sich in das Kind einfühlen und ihr eigenes Handeln reflektieren zu können. Hierfür ist die Vermittlung von pädagogischem, psychologischem und biologischem Grundwissen notwendig, welche idealerweise unter Unterstützung von erfahrenen Pflegeeltern erfolgen sollte.

Das Grundwissen beinhaltet Aspekte rund um gesetzliche Grundlagen und Unterstützungsleistungen, Rechte und Pflichten als Pflegeeltern, sowie Informationen zum Bewerbungsverfahren. Des Weiteren sollten auch der Beziehungsaufbau und die Eingewöhnung eines Pflegekindes, sowie typische Biografien von Pflegekindern und deren Herkunftsfamilien angesprochen werden.

Reflektion der eigenen Wertvorstellungen

Darüber hinaus sind auch die Reflektion eigener  Wert- und Normvorstellungen, sowie die Vermittlung von Grundlagen der Entwicklungspsychologie und Kommunikationstechniken von großer Bedeutung. Auch die Gestaltung des Erziehungsalltags, einschließlich des Umgangs mit Konflikten und Zeitmanagement sollten thematisiert werden.

Auf diese Weise sollen Pflegeeltern dazu befähigt und ermutigt werden „ihre Handlungs- und Reaktionsweisen zu reflektieren, vorgefasste Meinungen von Erziehung und Beziehung loszulassen und sich für die Förderung des Kindes von dessen Entwicklungsmöglichkeiten und emotionalen Bedürfnissen leiten zu lassen.“ (Hopp 2014)

Qualifizierung von Pflegefamilien und Supervision für Pflegefamilien

Eine gute Vorbereitung allein reicht jedoch nicht aus, um alle Themen und Problematiken zu behandeln, welche sich im Laufe der Zeit ergeben können. Den Familien fehlt es meist an eigener Praxiserfahrung, wodurch viele Pflegeeltern in ihrem Alltag immer wieder vor Fragen stehen, die sie mit ihren bisherigen Erfahrungen nicht beantworten können. Oftmals sind die Fragen auch nicht eindeutig definierbar und machen sich als Überlastungsgefühl und Resignation breit.

„Qualifizieren heißt Menschen befähigen, eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen. In der Betreuungs- und Erziehungsarbeit ist die Bezugsperson als Mensch das wichtigste und wirkungsvollste Element. Erst an zweiter Stelle stehen Wissen und Anwendung von Modellen und Methoden.“ (Hopp 2014)

Regelmäßige fachliche Begleitung zentral wichtig

Pflegeverhältnisse können demnach nur dann erfolgreich gelingen, wenn neben der Vorbereitung auch Fortbildung und Supervision, sowie eine Begleitung durch qualifizierte Fachkräfte stattfinden. Die Pflegeeltern erhalten auf diese Weise die Möglichkeit ihren Alltag aus der Distanz heraus zu betrachten und in Problemsituationen eine andere Perspektive einzunehmen, wodurch das eigene Handeln reflektiert werden kann. Des Weiteren erhalten sie die Gelegenheit durch den Erfahrungsaustausch in Gruppen voneinander zu profitieren und darüber hinaus fachliche Informationen zu erhalten.

Auf diese Weise können Handlungsalternativen und Lösungen erarbeitet und die eigene Erziehungskompetenz verbessert werden. Die Pflegefamilien erfahren eine fachliche Weiterqualifizierung und erhalten Entlastung und Unterstützung in Krisensituationen, was wiederum einen erfolgreichen Verlauf der Pflegeverhältnisse begünstigt.

Qualifizierung des Umfeldes

„Für eine erfolgreiche Arbeit im Pflegekinderwesen reicht es nicht mehr aus, Pflegeeltern zu qualifizieren. Vielmehr geht es künftig verstärkt darum, durch Stärkung von Vereinen und Qualifizierung des Umfeldes die Rahmenbedingungen, unter denen Pflegeeltern ihre verantwortungsvolle Aufgabe wahrnehmen, zu verbessern.“ (Henneicke 2006)

Neben der Qualifizierung der Pflegefamilien ist demnach auch eine Qualifizierung des Umfeldes der Pflegefamilien notwendig. So müssen nicht nur die Pflegeeltern selbst, sondern auch die Berufsgruppen, die mit den Pflegeeltern und –kindern kooperieren, fachlich für diese Arbeit qualifiziert werden.

Bildungs- und Betreuungsinstitutionen

Einen wichtigen Aspekt stellen hierbei die Bildungs- und Betreuungsinstitutionen der Pflegekinder dar. So treten beispielsweise im schulischen Kontext oftmals einige Probleme aufgrund der teils schwierigen Verhaltensweisen von Pflegekindern auf. Da diese oftmals durch schlimme Vorerfahrungen geprägt sind, kommt es nicht selten zu Verhaltensauffälligkeiten der Kinder, welche von Mitschüler/innen und Lehrer/innen als störend empfunden und sanktioniert werden. Während für die Schule als Bildungsinstitution der Wissenserwerb oberste Priorität hat, steht für die Pflegeeltern zumeist eine erfolgreiche Integration in die Pflegefamilie an oberster Stelle.

Kooperation ist wichtig.

Beide Akteure verfolgen demnach unterschiedliche Primärziele, wodurch eine Kooperation nur dann gelingen kann, wenn die Ziele des jeweils anderen respektiert und anerkannt werden und zugleich die Bedürfnisse des Kindes nicht aus den Augen verloren werden. An dieser Stelle erscheint eine Fortbildung von Lehrkräften notwendig, damit diese die besondere Situation von Pflegekindern verstehen können und eine erfolgreiche Zusammenarbeit  von Schule und Pflegefamilie stattfinden kann.

Ähnliches lässt sich auch auf Kindergärten und Kindertagesstätten übertragen, in welchen Pflegekinder aufgrund von Verhaltensauffälligkeiten oft als Belastung für die Gruppe erlebt werden.

Rechtsberatung

Darüber hinaus benötigen viele Pflegefamilien nicht nur eine Begleitung im pädagogischen und psychologischen Bereich, sondern oftmals auch bei der Rechtsberatung. Eine Problematik ist jedoch, dass die wenigsten Fachanwälte für Familienrecht über ausreichend Erfahrungen im Pflegekinderwesen  verfügen. An dieser Stelle erscheint eine Vermittlung von Grundzügen des Familien- und Jugendhilferechts, die für das Pflegekinderwesen relevant sind, notwendig. Zudem muss die besondere familiäre Situation von Pflegefamilien näher beleuchtet werden, sodass ein Verständnis für spezielle Problemlagen von Pflegefamilien entwickelt werden kann.

Zusammenfassend…

Insgesamt lässt sich feststellen, dass das erfolgreiche Gelingen einer Pflegefamilienkonstellation von vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist. Nur wenn eine angemessene Vorbereitung der Pflegeeltern und darauf aufbauend eine stetige Weiterbildung und professionelle Betreuung der Familien stattfindet, kann ein Zusammenleben und Zusammenwirken von Pflegeeltern und Pflegekindern gelingen. Darüber hinaus ist aber auch eine Qualifizierung des Umfeldes der Pflegefamilien von enormer Bedeutung.

Beim St. Elisabeth-Verein e.V. Marburg finden Sie als Pflegefamilien umfangreiche Unterstützungsmöglichkeiten. Fachberatung, Qualifizierung und Supervision. Wollen auch Sie Pflegefamilie beim St. Elisabeth-Verein werden: Hier der Link dazu!

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Quellen:

Henneicke, Volker (2006): Von der Qualifizierung von Pflegeeltern zur Qualifizierung für das Pflegekinderwesen. In: Jugendhilfe 3/06.

Kindler, Heinz/ Helming, Elisabeth/ Meysen, Thomas/ Jurczyk, Karin (Hg.) (2010): Handbuch Pflegekinderhilfe. München: Deutsches Jugendinstitut e.V.

Pflegekinderdienst Solingen (2017): Qualifizierung und Fortbildung für Pflege- und Adoptiveltern 1/2017. Solingen.

Links:

Arbeitskreis zur Förderung von Pflegekindern e.V. (2019): Pflegeeltern. URL: https://www.arbeitskreis-pflegekinder.de/index.php?article_id=3, Abruf am: 06.09.2019.

Hopp, Henrike (2014): Qualifizierung von Pflegeeltern. URL: https://www.moses-online.de/fachartikel-qualifizierung-pflegeeltern, Abruf am 06.09.2019.

Waltl-Seidl, Stilla (2019): Beratung und Fortbildung von Pflegeeltern/Pflegefamilien. URL: https://www.fibweb.de/themen/pflegekinder/, Abruf am: 06.09.2019.