Die Entwicklung der Sauberkeit ist ein individueller Entwicklungsschritt, der von neuro-physiologischen Reifungsprozessen abhängt. Während Säuglinge unwillkürlich Stuhl und Harn ausscheiden, entwickelt sich ab dem zweiten Lebensjahr die willkürliche Blasen- und Harnkontrolle. Dabei gelingt es den meisten Kindern zuerst, den Darm und dann die Blase tagsüber zu kontrollieren, die Blasenkontrolle nachts erfolgt meist etwas später.
Längsschnittstudien konnten zeigen, dass ein deutlich früherer Beginn des Sauberkeitstrainings die Entwicklung des Kindes nicht beeinflusst, da es sich um einen individuellen Reifungsprozess handelt, der von der Entwicklung des Rückenmarks und der Wahrnehmungsfunktionen der Sinneszellen in der Harnröhre und der Blase abhängt. Das Kind muss also physiologisch erst dazu in der Lage sein, den Harndruck zu spüren, um darauf reagieren zu können.
Die meisten Kinder zeigen gegen Ende des zweiten Lebensjahres, frühestens mit 15 Monaten, eine Eigeninitiative, was die Sauberkeit betrifft. Die meisten Kinder werden zwischen dem dritten und vierten Lebensjahr ganz trocken und sauber. Sie beginnen in diesem Alter, sich für die Toilette zu interessieren und sollten dabei unterstützt werden.
Unterstützend können z. B. Kleidungsstücke sein, die das Kind selbst gut ausziehen kann und Hilfen, um die Toilette zu besteigen.
Warten die Eltern, bis das Kind Eigeninitiative zeigt und unterstützen dann aktiv seine Bemühungen, selbständig zu werden, ist es häufig innerhalb weniger Tage oder Wochen trocken.[1]
[1] Jenni, Oskar (2021): Die kindliche Entwicklung verstehen. Praxiswissen über Phasen und Störungen. Springer. Berlin. S. 247f