Magisches Denken und imaginäre Freunde: Viele Kinder beginnen etwa im Alter von drei Jahren, an Märchenfiguren, Feen und böse Gestalten zu glauben, zwischen vier und sechs Jahren zeigt sich der Höhepunkt dieser Phase, die jedoch auch bis ins Erwachsenenalter andauern kann.  Kinder haben gleichzeitig eine realistische Vorstellung von der Welt und können zwischen der magischen und der sichtbaren Welt mühelos hin und her pendeln. In dieser Phase haben viele Kinder außerdem einen imaginären Freund, den sie als wirklich existierendes Wesen begreifen, sich mit ihm unterhalten, Rat suchen oder auch Konflikte austragen.

Etwa 30% der Kinder haben im Laufe ihrer Entwicklung einen unsichtbaren Freund. Sie entspringen der Fantasie des Kindes und sind Ausdruck der sich entwickelnden Selbst- und Fremdwahrnehmung. Auch Einsamkeit oder das Erleben von Verlust oder Zurückweisung können Gründe für einen imaginären Freund sein, der häufiger bei Einzelkindern oder Erstgeborenen auftaucht. Manchmal dient er dazu, Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln und Belastungen zu verarbeiten. Hat ein solcher Freund seinen Sinn erfüllt, verschwindet er von alleine wieder. Kinder mit einem imaginären Freund zeigen dabei keine negativen Auffälligkeiten. Sie zeigen sogar fortgeschrittenere Fähigkeiten in der Sprachentwicklung, in Bereichen der Kognition und ein unauffälliges Verhalten in der Beziehung zu anderen Kindern oder der Familie.[1]

[1] Jenni, Oskar (2021): Die kindliche Entwicklung verstehen. Praxiswissen über Phasen und Störungen. Springer: Berlin. S. 317f