Mobilitätseinschränkung und soziale Teilhabe
Der Umgang von Pflegeeltern mit der Mobilitätseinschränkung und dem Pflegebedarf eines Kindes mit körperlicher Behinderung einerseits und dem Bedürfnis nach sozialer Teilhabe andererseits, kann eine Gradwanderung sein.
- Je größer der Pflegebedarf, desto größer die Gefahr, dass sich die Konzentration der erwachsenen Pflegeperson ausschließlich auf die körperlichen Belange richtet und soziale und kommunikative Bedürfnisse des Kindes dabei zu kurz kommen.
- Dabei wird Kindern oft zu viel abgenommen, was ihre Selbstständigkeit mindert und zu erlernter Hilflosigkeit führen kann. Sie werden dann häufig unter ihrem tatsächlichen Fähigkeitsniveau behandelt und weniger einbezogen.
- Je größer die Bewegungseinschränkung, desto eingeschränkter die soziale Teilhabe. Gerade einmal 10% der Kinder mit Cerebralparese nehmen an allgemeinen Aktivitäten wie Schwimmkursen oder Musikkursen teil.
- Kinder mit Cerebralparese haben ein erhöhtes Risiko für sozial-emotionale Störungen. Studien zeigen bei vielen Betroffenen Auffälligkeiten im Verhalten sowie bei einem Teil emotionale Probleme wie soziale Ängstlichkeit oder Impulsivität.
- Die meisten Kinder mit schweren oder mehrfachen Behinderungen haben ein Interesse an sozialer Interaktion, wobei deren Häufigkeit zumeist von den Möglichkeiten und Rahmenbedingungen abhängt. Insbesondere integrative Gruppen und Einrichtungen bieten sich dafür an.[1]
Geistige Behinderung
Kinder mit leichter geistiger Behinderung sind zwar auf dem Entwicklungsstand jüngerer Kinder, können jedoch oftmals am gemeinsamen Spiel mit anderen Kindern teilhaben. Kinder mit schwerer geistiger Behinderung benötigen spezifische Unterstützung, um mit anderen Kindern spielen zu können. Manche Dinge fallen ihnen jedoch schwerer als anderen Kindern. Dazu gehört z. B.:
- Die Aufmerksamkeit steuern
- Sich mit einem Partner auf ein gemeinsames Thema abstimmen
- Handlungsabläufe planen und geordnet zu Ende führen
- Gelerntes auf einen neuen Kontext übertragen
- Sprachliche Anweisungen angemessen schnell verarbeiten
Oft zeigen Kinder mit geistiger Behinderung wenig Ausdauer und Motivation bei schwierigen Aufgaben. Sie geben bei Misserfolgen schneller auf und bitten früh um Hilfe. Dies kann auch durch erlernte Hilflosigkeit entstehen. Bei Kindern mit geistiger Behinderung kann auch die soziale Kognition eingeschränkt sein, also Impulskontrolle, Emotionsregulation sowie das Erkennen von Gefühlen und Absichten anderer. Dadurch fällt es ihnen oft schwer, sich in schwierigen Situationen zu beruhigen und Mimik oder Gestik richtig zu deuten. Außerdem können sie schwerer ihre Impulse steuern und zeigen sich oft weniger empathisch.
Folgende Hinweise können helfen, um den Alltag und das Spiel mit anderen Kindern zu erleichtern:
- Lösbare Aufgaben gestalten, damit das Kind nicht das Interesse verliert
- Wiederholungen und feste Tagesstrukturen erleichtern es dem Kind zu erkennen, was als nächstes kommt und was von ihm erwartet wird
- Aufforderungen langsam stellen und mit Gesten unterstützen
- Die Umgebung an das Kind und seine Fähigkeit zur Impulskontrolle anpassen, indem z. B. nicht alle Spielzeuge verfügbar sind
- Mit dem Kind ein Signal vereinbaren, das es geben kann, wenn ihm etwas zu viel wird[2]
Autismus-Spektrum-Störung
Autistische Kinder haben Schwierigkeiten mit der Wahrnehmungsverarbeitung und nehmen Reize verstärkt wahr, sodass eine Reduktion der Reize hilfreich ist. Da Veränderungen und Abweichungen zu starker Verunsicherung führen können, ist es wichtig, vorhersagbare, sich wiederholende Abläufe und Rituale zu schaffen und Übergänge von einer Aktivität zur nächsten klar zu markieren. Hierbei helfen visuelle Signale, z. B. in Form von Bildkarten, besser als akustische.
Ein wichtiges Ziel bei der Förderung von autistischen Kindern ist der Aufbau sozialer Kompetenzen. Hierzu gehören die Fähigkeiten, andere Kinder zu begrüßen, sie etwas zu fragen, sie nachzuahmen, auf ihre Fragen zu antworten und um Erlaubnis zu bitten, sich am Spiel beteiligen zu dürfen. Bei all diesen kleinen sozialen Interaktionen sollten autistische Kinder zunächst unterstützt werden. Auch Spielpartnerinnen und Spielpartner brauchen Unterstützung dabei, wie sie mit dem autistischen Kind umgehen und auf die mitunter ungewöhnlichen Verhaltensweisen reagieren können. Es sollte im Einzelfall geprüft werden, ob eine ausreichende Betreuung in einer großen Gruppe mit Kindern ohne Behinderung gewährleistet ist oder ob das Kind selbst oder andere Kinder in der Gruppe dadurch überfordert sind. Ggf. ist die Begleitung durch eine persönliche Assistenz möglich.[3]
Quellen:
[1] Vgl. Sarimski, Klaus (2021): Kinder mit Behinderungen in inklusiven Kindertagesstätten. 2. überarb. Aufl.. W. Kohlhammer GmbH. Stuttgart, S. 98-103.
[2] Vgl. Ebd., S. 106-115.
[3] Vgl. Ebd., S. 118-120.