Das Gedächtnis lässt sich in drei Bereiche unterteilen: das sensorische, das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis. Sie unterscheiden sich vor allem in der Dauer, wie lange Informationen gespeichert werden.

Das sensorische Gedächtnis nimmt alle Sinneseindrücke für wenige Millisekunden auf. Erst, wenn den Reizen Aufmerksamkeit zuteil wird, gelangen sie ins Kurzzeitgedächtnis. Hier werden Informationen ca. 15-30 Sekunden gespeichert. Durch Wiederholung lässt sich die Speicherzeit verlängern, zum Beispiel beim Auswendiglernen einer Telefonnummer. Allerdings können meist nur 7 +/- 2 Informationen gleichzeitig gehalten werden.

Ein Teilbereich des Kurzzeitgedächtnisses, das Arbeitsgedächtnis, verarbeitet und nutzt diese Informationen aktiv, wie etwa beim Lesen, wenn Wörter am Satzanfang mit denen am Satzende verbunden werden.

Im Langzeitgedächtnis werden Informationen unbegrenzt gespeichert. Es umfasst verschiedene Bereiche: Faktenwissen und persönliche Erinnerungen werden bewusst abgerufen, motorische Abläufe hingegen unbewusst gespeichert. Die Erforschung des Gedächtnisses bei Säuglingen und Kleinkindern stellt eine große Herausforderung dar, da oft unklar bleibt, ob Informationen wirklich behalten wurden.[1]

Infantile Amnesie

Interessant ist in diesem Zusammenhang die infantile Amnesie: Sie bezeichnet, dass die meisten Menschen sich nicht an Ereignisse aus den ersten zwei bis drei Lebensjahren erinnern können. Obwohl das Erinnerungsvermögen in dieser Zeit bereits zu bestehen scheint, wird vor allem implizites Wissen gespeichert, also Informationen und Fähigkeiten, die sich in Verhaltensweisen zeigen, anstatt in bewusst abrufbaren Erinnerungen.

Das Kurzzeitgedächtnis ist bei Kindern zunächst stark eingeschränkt und erreicht erst mit etwa 12 Jahren das Niveau von Erwachsenen. Studien zeigen, dass das Gedächtnis von Vorschulkindern stark vom Handlungswissen aus Alltagserfahrungen profitiert. Dabei ist die Unterstützung durch Erwachsene – etwa durch Fragen und Hinweise – besonders wichtig. Durch folgende Aspekte kann die Gedächtnisentwicklung unterstützt werden:

  • Lassen Sie Ihr Kind selbst nachdenken und Lösungen finden. Das fördert Einsicht und Verständnis.
  • Vermeiden Sie Angst oder Druck. Negative Emotionen können Lern- und Erinnerungsprozesse blockieren.
  • Nutzen Sie Emotionen gezielt. Gefühle helfen dabei, Informationen besser und nachhaltiger zu speichern.
  • Machen Sie Inhalte lebendig und anschaulich. Bilder, Geschichten oder praktische Beispiele bleiben leichter im Gedächtnis als abstrakte Erklärungen.
  • Setzen Sie auf Wiederholungen und sprechen Sie mehrere Sinne an. So lernt das Kind leichter.
  • Sorgen Sie für Ruhe. Eine entspannte Umgebung unterstützt Konzentration und Erinnerung.[2]

Quellen:

[1] Jovanovic, Bianca (2015): Kognitive Entwicklung. In: Schwarzer, Gudrun; Jovanovic, Bianca (Hrsg.): Entwicklungspsychologie der Kindheit. Kohlhammer: Stuttgart. S. 165-206. S. 179ff

[2] Metzinger, Adalbert (2024): Entwicklungspsychologie kompakt für sozialpädagogische Berufe.  0–11 Jahre. 6. Auflage. Westermann: Köln. S. 83f