Erst im Grundschulalter fügen Kinder bei ihrer Selbstbeschreibung psychologische Aspekte hinzu, entwickeln also ein Selbstkonzept. Im Alter von sechs oder sieben Jahren ist das Selbstbild oder Selbstkonzept so weit vorangeschritten, dass Kinder über ihre Fähigkeiten, Gefühle und Vorstellungen Gedanken machen und Auskunft über ihre besonderen Kennzeichen geben können. Sie können benennen, wie beliebt sie sind, wie gut sie in welchen Schulfächern sind und wie ihr Verhältnis zu ihren Eltern ist.

Frühestens mit sieben, eher mit acht Jahren können Kinder Aussagen über ihr Selbstwertgefühl machen, also darüber, ob sie glücklich und zufrieden sind und sich selbst mögen. Forschungen konnten zeigen, dass sich das Selbstwertgefühl aus zwei Bereichen speist: Einer hoch bewerteten Tätigkeit und dem Zuspruch durch wichtige Personen. Welchen Tätigkeitsbereich Kinder hoch bewerten, kann ganz unterschiedlich sein, zum Beispiel körperliche Fähigkeiten, schulisches Können oder Freundschaften. Das Selbstwertgefühl ist umso höher, je besser ein Kind die eigenen Fähigkeiten in dem hoch bewerteten Bereich einschätzt. Ein Junge, der schulische Leistungen hoch bewertet, seine Erwartungen aber nicht erfüllt, kann demnach ein niedriges Selbstwertgefühl haben, selbst wenn er dafür sehr gute Freundschaften pflegt – und umgekehrt.[1]

[1] Mietzel, Gerd (2002): Wege in die Entwicklungspsychologie. Kindheit und Jugend. URL: https://www.beltz.de/fileadmin/beltz/leseproben/9783621274777.pdf – (zuletzt aufgerufen am 29.9.2025). S. 295f