Es ist wichtig, die Sprachentwicklung gut zu begleiten, da sie maßgeblich von seiner Umgebung des Kindes beeinflusst wird. Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede, die eng mit dem Verhalten der Eltern oder anderer enger Bezugspersonen zusammenhängen. So wächst der Wortschatz eines Kindes beispielsweise deutlich schneller, wenn es regelmäßig direkt angesprochen und sprachlich einbezogen wird. Das Sprachniveau eines Kindes hat direkten Einfluss auf seinen schulischen Erfolg. Wenn sprachliche Fähigkeiten unzureichend entwickelt sind, kann dies das Lernen erheblich erschweren – in diesem Zusammenhang spricht man auch von einer „Sprachbarriere“.
Studien haben ergeben, dass die verfügbaren Sprachmuster und Ausdrucksmöglichkeiten von der Milieuzugehörigkeit abhängen und unabhängig sind von der individuellen Intelligenz. Entsprechend dieser Studien wird zwischen einem restriktiven Code, also einer eher hemmenden Kommunikation der Eltern mit ihrem Kind und einem elaborierten Code, also einer förderlichen Kommunikation unterschieden.
Wichtig ist dabei zu verstehen, dass Kinder, die einen restriktiven Sprachcode verwenden, dennoch sprachlich gesund sind. Sie sprechen einfach die Sprache, die in ihrem sozialen Umfeld üblich ist. Probleme und Nachteile tauchen nur dann auf, wenn sie in der Schule einem anderen Code begegnen, den sie nicht beherrschen und dadurch schlechtere Startbedingungen haben. Der Entwicklungsrückstand lässt sich, da der Spracherwerb bereits so früh beginnt, nur schwer nachholen.
Restriktiver Code:
- Kinder werden mehr mit Gestik, Mimik und Körperhaltung angesprochen als mit Sprache
- Sprachliche Kontakte mit den Eltern bestehen aus kurzen Befehlen und stereotypen Wendungen
- Eltern erklären weniger und klären weniger über die Umstände auf, warum zum Beispiel etwas zu tun oder zu unterlassen ist
- Verwendung einfacher, unfertiger Sätze mit einfachem Satzbau
- Geringer Wortschatz
Elaborierter Code:
- Die Interaktion zwischen Eltern und Kind ist von Beginn an eher sprachlich geprägt, sodass das Kind früh lernt, auf sprachliche Signale zu reagieren, obwohl es noch lange nicht selbst sprechen kann
- Verwendung eines reichen Wortschatzes mit komplexer Satzkonstruktion
- Eltern erläutern dem Kind ihre Absichten, Hintergründe für eine Entscheidung oder ein Verhalten
- Wünsche, Gedanken und Gefühle werden formuliert[1]
Kompetente Erwachsene
Studien konnten zeigen, dass insbesondere der Sprachstil der Mutter Einfluss auf den Spracherwerb hat. Das zeigt nachdrücklich ein Experiment mit Müttern, die an einem vierwöchigen Programm zur Verbesserung des Sprechstils beim Vorlesen von Bilderbüchern teilnahmen. Die positiven Auswirkungen des Trainings auf die Kinder waren im Verhältnis zur Vergleichsgruppe auch nach sechs Jahren noch nachweisbar.
Ammensprache: Kompetente Erwachsene sprechen intuitiv in der sogenannten Ammensprache, wenn sie mit Säuglingen kommunizieren. Diese zeichnet sich durch eine höhere Grundfrequenz, größere Schwankungen in der Frequenz, längere Pausen und kürzere Äußerungen aus. Häufig werden zudem wichtige Worte besonders betont und Sätze häufig wiederholt.
Stützende Sprache: Im zweiten Lebensjahr reduziert sich die übertriebene Intonation der Ammensprache. Stattdessen werden viele Dinge wiederholt und ritualisiert. Zudem stellen kompetente erwachsene Bezugspersonen häufig Fragen, die es dem Kind ermöglichen, sich einzubringen. Eine typische Abfolge von Sätzen könnte lauten: „Oh, schau nur, was das ist!“ „Was ist das nur?“ „Das ist eine kleine Katze“ „Ja, genau, eine kleine Katze“.
Lehrende Sprache: Ab dem dritten Lebensjahr kommunizieren Bezugspersonen explizit lehrend, indem sie die Sprache des Kindes korrigieren. Ein typischer Dialog könnte in dieser Phase wie folgt aussehen: Kind: „Der hat da raus getut.“ Erwachsener: „Raus geholt.“ „Der hat etwas da raus geholt.“[2]
Quellen:
[1] Metzinger, Adalbert (2024): Entwicklungspsychologie kompakt für sozialpädagogische Berufe. 0–11 Jahre. 6. Auflage. Westermann: Köln. S. 65ff.
[2] Kienbaum, Jutta; Schuhrke, Bettina; Ebersbach, Mirjam (2023): Entwicklungspsychologie der Kindheit. Von der Geburt bis zum 12. Lebensjahr. 3. aktualisierte Auflage. W. Kohlhammer GmbH: Stuttgart. S. 14-16.