Die Geschlechtsunterschiede zeigen sich bereits vor der Geburt, denn Sexualhormone, wie z. B. Testosteron regen die Entwicklung der männlichen Geschlechtsorgane an, während weibliche Geschlechtsorgane gebildet werden, wenn diese Hormone fehlen. Auch auf die Gehirnentwicklung haben die Sexualhormone bereits vor der Geburt einen Einfluss, was das spätere Sozialverhalten mitbedingt. Der überwiegende Teil der Kinder entwickelt sich innerhalb er binären Geschlechterverteilung von männlich und weiblich. Weicht die Geschlechtsentwicklung davon ab, spricht man von „Transgender“ oder „Intersex“.

Unter Transgender versteht man, dass die psychische Geschlechtsidentität nicht mit dem biologischen Geschlecht übereinstimmt. Bereits in der frühen Kindheit bemerken transsexuelle Kinder, dass sie das Gefühl haben, nicht zu ihrem biologischen Geschlecht zu passen.

Unter Intersex versteht man, dass das genetische Geschlecht (XX= weiblich, XY = männlich) nicht mit dem äußerlichen Geschlecht übereinstimmt. Hormonell männliche Kinder entwickeln dann weibliche Geschlechtsorgane oder umgekehrt. Auch Mischformen sind möglich. Der Grund liegt in einer Störung der Geschlechtshormone oder in einer Entwicklungsstörung.

Nach der Geburt entwickeln sich beide Geschlechter sehr ähnlich, sodass im ersten Lebensjahr in der Regel nicht zu erkennen ist, ob es sich um einen Jungen oder ein Mädchen handelt. Erst mit der Pubertät beginnen sich die Unterschiede in der körperlichen Entwicklung zu verstärken. Selbstverständlich gibt es aber auch innerhalb der Geschlechter große Unterschiede. Geschlechtsunterschiede, die sich im sozialen Verhalten zeigen, werden wesentlich durch gesellschaftliche Erwartungen geprägt. Schon unmittelbar nach der Geburt wirken die kulturell geprägten Meinungen und geschlechtsspezifischen Vorstellungen der Bezugspersonen auf das Kind und sein Verhalten. Aber auch das Verhalten des Kindes selbst kann sich geschlechtsstereotyp zeigen und damit die Erwartungen an die Geschlechterrolle erfüllen.[1]

Entwicklung der Sexualität

Die kindliche Sexualität ist dabei klar von der erwachsenen Sexualität zu unterscheiden. Voller Entdeckungslust und Neugier erleben Kinder ihre Sexualität zunächst nur auf sich selbst bezogen und gehen dabei nicht zielgerichtet oder beziehungsorientiert vor, wie es bei Erwachsenen der Fall ist, sondern sind vor allem spontan. Erst die Hormonveränderung zu Beginn der Pubertät verändert das sexuelle Verhalten und auch dann erst wird das sexuelle Verhalten auf einen Partner oder eine Partnerin fokussiert.

  1. Lebensjahr: Diese Zeit wird auch als orale Phase bezeichnet. Das Kind mag das Saugen an der Brust oder Flasche und nuckelt an den Fingern oder am Schnuller. Berührungen und Zärtlichkeiten werden mit allen Sinnen wahrgenommen. Interessant ist, dass Säuglinge bereits jetzt registrieren, wie Eltern darauf reagieren, wenn sie ihre eigenen Genitalien, z. B. beim Windelwechseln, berühren. Diese Reaktionen prägen schon jetzt das Körper(selbst)bewusstsein des Kindes.
  2. Lebensjahr: Diese Zeit (bis zum Ende des dritten Lebensjahres) wird auch als anale Phase bezeichnet. Kinder erforschen ihre Genitalien und entdecken ihre Afterzone als Quelle der Lust. Sie spielen damit, Stuhlgang bewusst festzuhalten oder loszulassen und können sich bis hin zum Orgasmus stimulieren. Ab diesem Alter zeigen Kinder Interesse an den Geschlechtsteilen anderer, vor allem in der Familie.
  3. Lebensjahr: Kinder haben nun eine ausgeprägte Schau- und Zeigelust und beginnen mit der berühmten „Warum-Frage. Sie sind neugierig und wollen ausprobieren. Die Selbstbefriedigung wird in diesem Alter „bewusster“ und manchmal zur Beruhigung eingesetzt. Gleichzeitig zeigen sich bei manchen Kindern erste Anzeichen von Scham.
  4. Lebensjahr: Kinder zeigen weiterhin eine ausgeprägte Schau- und Zeigelust und sexuelles Interesse, das in den sogenannten Doktorspielen ausgelebt wird. Sie spielen Familien- Rollenspiele mit klaren Geschlechterzuordnungen. Manche Kinder formulieren, dass sie ihre Mama oder ihren Papa heiraten wollen und können Eifersucht auf das andere Elternteil zeigen.
  5. Lebensjahr: Kinder spielen an den eigenen Genitalien herum und erforschen weiterhin in Doktorspielen den Körper. Sie probieren verschiedene Rollen und Geschlechter aus und verkleiden sich als Mann oder als Frau. Kinder pflegen in dieser Zeit innige Freundschaften, die mit Liebesgefühlen und dem Wunsch nach Geborgenheit verbunden sein können.
    6. Lebensjahr: Von nun an zeigt sich eine ausgeprägtere Körperscham, verbunden mit klaren Schamgrenzen. Kinder befriedigen sich häufig selbst und sexuelle Aktivitäten finden nun außerhalb der Sichtweite von Erwachsenen statt. Sie erproben Geschlechterrollen und manche Kinder mögen es zu provozieren, indem sie z. B. eine sexualisierte Sprache verwenden.

Grundschulzeit: Mädchen und Jungen versuchen in diesem Alter ihr sexuelles Interesse vor den Eltern zu verbergen, tatsächlich ist es zwischen Gleichaltrigen jedoch ein wichtiges Thema, das vor allem mit dem gleichen Geschlecht geteilt wird. Zum einen wird das andere Geschlecht abgewertet, zum anderen bestehen sichtbares Interesse und Anziehung.

Vorpubertät: Der Übergang von der mittleren Kindheit zur Vorpubertät ist fließend. Die angehenden Jugendlichen fühlen sich aufgefordert, immer mehr mit dem Thema Sexualität, Lust, Körper und dem anderen Geschlecht auseinanderzusetzen. Es besteht ein „Zwang“ zur Heterosexualität, wobei innerhalb der Geschlechter mit typisch weiblichen oder männlichen Mustern experimentiert und Körperbilder inszeniert werden.[2]

Quellen:

[1] Jenni, Oskar (2021): Die kindliche Entwicklung verstehen. Praxiswissen über Phasen und Störungen. Springer: Berlin. S. 63-82.

[2] Rohrmann, Tim; Wanzeck-Sielert, Christa (2023): Mädchen und Jungen in der KiTa Körper– Gender– Sexualität 3., aktualisierte Auflage. Verlag W. Kohlhammer: Stuttgart. S. 82-88.