ENTWICKLUNG UND GEHIRN

Das Zentrum aller Entwicklung ist das Gehirn, das sich nach der Geburt sprunghaft ausbaut. Reize aus der Umwelt stimulieren die Nervenzellen, sich zu entwickeln und zu vernetzen, sodass neuronale, also nervliche, Netzwerke entstehen. Jede Erfahrung eines Babys stärkt oder schwächt diese Netzwerke. Je häufiger das Gehirn einen Reiz empfängt, desto intensiver verknüpfen sich die entsprechenden Nervenzellen.

Je vielfältiger die Reize sind, desto komplexer sind die Strukturen, die sich bilden. Wichtig ist hierfür, dass die Kinder selbst Erfahrungen machen (und ausprobieren) und dass sie sich in einem positiven emotionalen Kontakt mit Menschen befinden. In den ersten fünf Lebensjahren ist das Gehirn besonders formbar. Erwachsen ist das Gehirn in gewissem Sinne erst nach der Pubertät.

Grundsätzlich ist jedoch eine der wichtigsten Erkenntnisse der Hirnforschung in den letzten Jahren, dass das Gehirn zwar vor allem in den ersten Lebensjahren geprägt wird, seine Plastizität jedoch in gewissem Maße bis ins hohe Alter beibehält.[1]

 

Die menschliche Entwicklung folgt sogenannten Entwicklungsgesetzen. Bitte klicken Sie auf die Kacheln, um mehr über die Entwicklungsgesetze zu erfahren.

  • Wachstum: Wachstum ist eine rein quantitative Zunahme oder Vergrößerung, die beim Menschen zunächst sehr schnell und dann zunehmend langsamer verläuft.
  • Differenzierung: Psychische Verhaltensweisen und Funktionen werden verfeinert und ausgestaltet. Aus einem ursprünglich undifferenzierten und globalen Ganzen wird etwas Strukturiertes und Komplexes.
  • Integration: Zuvor isolierte Vorgänge können zunehmend in ihrem Zusammenhang wahrgenommen werden.
  • Kanalisierung: Kinder können aus dem Spektrum an Verhaltensmöglichkeiten nach und nach ganz bestimmte Verhaltensweisen herausfiltern.
  • Zentralisation: Kinder verhalten sich mit der Zeit immer weniger zufällig. Stattdessen wird ihr Verhalten von Zielen, Überlegungen, Plänen, ihrem Willen und ihrem Ich gesteuert.
  • Stabilisierung: Es bilden sich bestimmte Verhaltensweisen, Gewohnheiten und Werte heraus. Die ersten Verfestigungen entwickeln sich schon in der frühen Kindheit und werden im Laufe des Lebens immer stärker festgelegt. Je älter ein Mensch ist, desto weniger „frei“ ist er in Bezug auf die Richtung seiner Entwicklung.
  • Irreversibilität: Der Entwicklungsverlauf eines gesunden Menschen ist unumkehrbar und tritt in einer bestimmten Abfolge auf. Eine umgekehrte Reihenfolge ist nicht möglich.

Entwicklungsgeschwindigkeit: Die Entwicklung kann in verschiedenen Altersphasen mit unterschiedlichem Tempo verlaufen und unterscheidet sich zudem von Mensch zu Mensch.[2]

[1] Metzinger, Adalbert (2024): Entwicklungspsychologie kompakt für sozialpädagogische Berufe.  0–11 Jahre. 6. Auflage. Westermann: Köln. S. 23-25.

[2] Ebd., S. 17-19.