Die körperliche Entwicklung stellt die Grundlage für die psychische Entwicklung dar, wobei das Größenwachstum schubweise verläuft. Ende des zweiten Lebensjahres haben Kinder schon etwa die Hälfte ihrer späteren Körpergröße erreicht. Bis zum Ende der Kindheit beläuft sich das Wachstum dann auf ca. 4-6 cm pro Jahr und beschleunigt sich dann noch einmal in der Pubertät.

In den ersten Lebensjahren entwickelt sich das Gehirn besonders schnell. Bereits am Ende des zweiten Lebensjahres hat das Gehirn 75% des finalen Gewichts erreicht. Schon bei einem Säugling weist es alle Furchen und Windungen auf, diese verfeinern und differenzieren sich jedoch noch weiter. Bei einem dreijährigen Kind sind diese Differenzierungsprozesse schon sehr weit fortgeschritten und bei einem achtjährigen Kind so gut wie abgeschlossen.

Motorik bezeichnet alle Bewegungsabläufe eines Menschen. Die motorische Entwicklung folgt dabei einigen Grundprinzipien. So fängt sie beispielsweise am Kopf an, geht auf den Oberkörper und die Arme über und endet bei den Füßen. Hierbei werden die beiden Körperhälften zunächst symmetrisch bewegt, später lernen die Kinder, Arme und Beine unabhängig voneinander zu bewegen.[1] Etwa ab dem achten Monat ist eine Tendenz erkennbar, ob das Kind lieber mit rechts oder mit links greift.  Im dritten Lebensjahr ist die Händigkeit meistens gut erkennbar.[2]

Motorische Entwicklung 0-4 Jahre

Die Geschwindigkeit der motorischen Entwicklung ist von Kind zu Kind unterschiedlich, verläuft jedoch von groben zu immer feiner werdenden Bewegungen. Besonders bedeutsam sind hierbei die ersten 60 Lebenswochen eines Kindes. In dieser Zeit lernt es, angeborene Reflexe, wie zum Beispiel den Greifreflex, in gezielte Handlungen, wie dem Greifen nach einem Gegenstand, umzuwandeln. Schließlich lernt es in dieser Zeit Sitzen, Stehen und Gehen.

Für die verschiedenen Entwicklungsschritte gibt es ein Durchschnittsalter, das jedoch lediglich einen groben Anhaltspunkt geben kann. Manche Babys entwickeln sich schneller, andere langsamer, wieder andere lassen Entwicklungsstufen aus. All das ist in den meisten Fällen normal und meistens kein Grund zur Sorge. Sollten Sie sich dennoch Sorgen wegen der Entwicklung Ihres Kindes haben, können Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt darüber sprechen.[3]

Das motorische Verhalten von Neugeborenen wird anfangs durch Reflexe bestimmt. Dazu zählen Such-, Saug- und Schluckreflex zur Nahrungsaufnahme, der Kopfwendereflex in Bauchlage und der Hustenreflex zum Schutz der Atemwege. Auffällig sind der Moro-Reflex (ruckartiges Ausstrecken der Arme) und der Greifreflex an Händen und Füßen – sie stammen evolutionär aus der Zeit, als das Affenbaby sich am Körper der Mutter festhielt.

Die motorische Entwicklung ist bei jedem Kind individuell und manche Kinder lernen Dinge früher, andere etwas später. Der Weg zum Laufen kann ebenfalls unterschiedlich aussehen. Manche Kinder lassen Robben und Krabbeln ganz aus, andere bewegen sich nur auf dem Hosenboden, rollend oder schlängelnd fort, bevor sie laufen können.[4]

Bis zum Ende des dritten Lebensjahres haben Kinder in der Regel folgende motorische Fähigkeiten hinzugewonnen:

  • Sie können Treppenstufen abwechselnd mit dem rechten und linken Fuß gehen
  • Sie können auf Zehenspitzen gehen
  • Sie können Bewegungen plötzlich beenden, ohne umzufallen
  • Sie können rennen und plötzlich die Richtung ändern
  • Sie kann um die Ecke biegen, ohne vorher anhalten zu müssen
  • Sie kann Dreirad fahren
  • Sie fangen mit den Armen als Fangkorb
  • Sie können eine Tasse tragen, ohne den Inhalt zu verschütten
  • Sie klettern auf Bäume und Klettergerüste
  • Sie balancieren auf einem Balken oder einer Mauer
  • Sie können bis zu 5 Sekunden auf einem Bein stehen und hüpfen
  • Sie können sich selbst an- und ausziehen

Die zeitliche Spannweite, in welcher Kinder unterschiedliche Aktivitäten vollführen, bleibt groß.[5]

Motorische Entwicklung 5-10 Jahre

Zwischen 5 und 10 Jahren schreitet die körperliche und motorische Entwicklung der Kinder weiter voran. Mit fünf Jahren erklettern die meisten Kinder die großen Klettergerüste auf dem Spielplatz. Sie werden in diesem Alter beim Radfahren immer geschickter und neue Bewegungsformen wie Schlittschuhlaufen oder Skifahren zu lernen, fällt vielen Kindern in diesem Alter recht leicht. Plötzliche Tempo- und Rhythmuswechsel können Fünfjährige ebenso gut meistern wie das Hüpfen auf einem Bein und Springen aus dem Stand oder mit Anlauf mit immer größeren Distanzen.

Kinder in diesem Alter können noch nicht wie Erwachsene werfen, also mit der Ausholbewegung des gesamten Wurfarms. Die Feinmotorik nimmt zu, wobei Mädchen bessere Fähigkeiten im Basteln, Jungen hingegen beim Bauen zeigen. Beides hat vor allem damit zu tun, dass geschlechtsspezifisch das eine mehr geübt wird als das andere. Jungen und Mädchen können in diesem Alter noch keine kleinen geometrischen Gebilde, wie zum Beispiel Sterne mit mehreren Zacken, nachzeichnen.[6]

Im Alter von sechs und sieben Jahren verändern sich die Körperproportionen noch einmal merklich und gleichen nun immer mehr denen von Erwachsenen. Arme, Beine und Muskulatur wachsen merklich und die Kinder können nun immer besser laufen, hüpfen und springen. Insbesondere Jungen können mit sechs Jahren einen Ball bereits so werfen, wie Erwachsene. Insbesondere in der Feinmotorik sind die Mädchen den Jungen nun um einiges voraus. Das hat vor allem mit der allgemein früheren körperlichen Reife der Mädchen zu tun. Tätigkeiten, die reine Muskelkraft benötigen, wie Tragen oder Heben, werden besser von den Jungen gemeistert.[7]

Quellen:

[1] Metzinger, Adalbert (2024): Entwicklungspsychologie kompakt für sozialpädagogische Berufe.  0–11 Jahre. 6. Auflage. Westermann: Köln. S. 39-42.

[2] Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (2025): Thema Linkshändigkeit. URL:

https://www.kindergesundheit-info.de/themen/entwicklung/entwicklungsschritte/motorische-entwicklung/linkshaendigkeit/ (zuletzt aufgerufen am 7.10.2025).

[3] Metzinger, Adalbert (2024): Entwicklungspsychologie kompakt für sozialpädagogische Berufe.  0–11 Jahre. 6. Auflage. Westermann: Köln. S. 39-42.

[4] Largo, Remo H. (2024): Babyjahre. Entwicklung und Erziehung in den ersten vier Jahren. 7. Auflage. Piper: München. S. 140-159.

[5] Metzinger, Adalbert (2024): Entwicklungspsychologie kompakt für sozialpädagogische Berufe.  0–11 Jahre. 6. Auflage. Westermann. Köln. S. 45

[6] Kasten, Hartmut (2015): Entwicklungspsychologische Grundlagen der Kindergarten- und Vorschulzeit (4. – 6. Lebensjahr) – einige frühpädagogische Konsequenzen. URL: https://www.kita-fachtexte.de/fileadmin/user_upload/KiTaFT_Kasten_II_2015_2.pdf – (zuletzt aufgerufen am 17.02.2026), S. 8f.

[7] Ebd., S. 16.