Die wohl entscheidendste Entwicklungsaufgabe von Jugendlichen ist die Entwicklung der eigenen Identität. Der Entwicklungspsychologe und Psychoanalytiker Erik H. Erikson beschreibt diese Entwicklungsaufgabe als Spannungsfeld zwischen Identitätsfindung einerseits und Rollendiffusion andererseits. Unter Identitätsfindung versteht man die Entwicklung eines stimmigen und integrierten Selbst, innere Gleichheit und Stabilität sich selbst und verschiedenen Situationen gegenüber. Unter Rollendiffusion versteht man dagegen die Unfähigkeit, Erfahrungen, die gemacht werden, stimmig in die eigene Identität zu integrieren.[1]

Identitätsentwicklung bedeutet eine intensive Auseinandersetzung mit sich selbst und damit, wie man von anderen gesehen wird. Indem sich Jugendliche einer Jugendkultur anschließen, erproben sie Identitäten. Sie experimentieren mit Kleidung, Kopf- und Bartfrisuren, Tüchern und anderen Accessoires, um sich auszuprobieren, eine Identität zu konstruieren und Reaktionen zu provozieren. In keiner Lebensphase wird die Identität so intensiv geprägt, wie in der Pubertät und die Identitätsaspekte, die sich in dieser Phase herausgebildet haben, bleiben danach über lange Zeit stabil. Hinzu kommt, dass insbesondere Erfahrungen aus dem Jugendalter gut erinnert werden, sodass das Selbstbild eines Erwachsenen zu großen Teilen von Erfahrungen aus der Jugendzeit geprägt wird.[2]

IDENTITÄT UND VERARBEITUNGSSTILE

Jugendliche sind auf der Suche nach innerer Stabilität. Sie experimentieren, um sich eine Basis für ihre eigenen Wertvorstellungen, Pläne und ihre Lebensgestaltung zu schaffen. Der Umgang mit identitätsstiftenden Erfahrungen und Informationen kann dabei ganz unterschiedlich sein. Man unterscheidet drei verschiedene Verarbeitungsstile:

  • Informationsorientierter Verarbeitungsstil: Die Jugendlichen suchen aktiv nach identitätsrelevanten Informationen und setzen sich aktiv mit Themen und Fragestellungen auseinander
  • Normativer Stil: Jugendliche orientieren sich vor allem an vorgegebenen Werten und Erwartungen anderer
  • Diffus-vermeidender Stil: Identitätsrelevante Fragen, z. B. die Berufswahl, werden aufgeschoben und vermieden.

Der Informationsorientierte und der normative Stil werden im Allgemeinen positiv bewertet und gehen mit einer günstigen Entwicklung einher, wohingegen der diffus-vermeidende Stil auf eine eher ungünstige Entwicklung hinweist.[3]

Quellen:

[1] Eschenbeck, Heike; Knauf, Rhea-Katharina (2018): Entwicklungsaufgaben und ihre Bewältigung. In: Lohaus, Arnold (Hrsg.): Entwicklungspsychologie des Jugendalters. Springer-Verlag GmbH: Berlin. S. 23-50. S. 31-33.

[2] Habermas, Tilmann (2008): Identitätsentwicklung im Jugendalter. URL: https://www.researchgate.net/profile/Tilmann-Habermas/publication/261551908_Identitatsentwicklung_im_Jugendalter/links/67a87bba461fb56424d0d66d/Identitaetsentwicklung-im-Jugendalter.pdf?origin=publication_detail&_tp=eyJjb250ZXh0Ijp7ImZpcnN0UGFnZSI6InB1YmxpY2F0aW9uIiwicGFnZSI6InB1YmxpY2F0aW9uRG93bmxvYWQiLCJwcmV2aW91c1BhZ2UiOiJwdWJsaWNhdGlvbiJ9fQ&__cf_chl_tk=CBUSXJs0_er3Ta1PsWb0xR9JnIF63wtxhJmYB_HgiCo-1752587880-1.0.1.1-sP8QiRD0nlm5WCq6aTq2M_SOycgbOyV4JDv.Al9fl.E – (zuletzt aufgerufen am 04.02.2026). S. 8-9f, S. 13.

[3] Eschenbeck, Heike; Knauf, Rhea-Katharina (2018): Entwicklungsaufgaben und ihre Bewältigung. In: Lohaus, Arnold (Hrsg.): Entwicklungspsychologie des Jugendalters. Springer-Verlag GmbH: Berlin. S. 23-50. S. 31-33.