Viele Pflegekinder sind mit dem Umstand konfrontiert, Teil von zwei Familiensystemen zu sein. Auf diese Weise entsteht das Triadenphänomen. Sie gehören einerseits zu dem System ihrer Herkunftsfamilie, andererseits zu dem System ihrer Pflegefamilie, was zu Loyalitätskonflikten führen kann.

Der Loyalitätskonflikt liegt auf der Hand: Liebt das Pflegekind die Herkunftseltern, verrät es die Pflegeeltern und umgekehrt. Das Pflegekind ist gefangen in einer Triade. Dies kann umgangen oder zumindest stark abgemildert werden, wenn es den Pflegeeltern gelingt, sich loyal gegenüber den Herkunftseltern zu zeigen. Der Begriff Triade kommt aus dem altgriechischen und bedeutet so viel wie Dreiheit, es stehen also drei relevante Systeme oder Personen miteinander in Beziehung. Triaden sind häufig störanfällig.

Von Triangulation spricht man, wenn eine dritte Person oder Instanz dazu genutzt wird, einen Konflikt zwischen zwei anderen auszugleichen. Ein Konflikt zwischen Pflegeeltern und Pflegekind könnte z. B. eine stabilisierende Funktion für die Herkunftseltern haben, um sich nicht als Versager zu fühlen. Andersherum könnte z. B. ein Konflikt zwischen Pflegekind und Herkunftseltern für die Pflegeeltern den Zweck haben, sich nicht um die Anerkennung der Herkunftseltern bemühen zu müssen.

Das Gefährliche ist dabei nicht die Triade selbst, sondern dass sie durch nicht hilfreiche Dyaden, also „Zweiheiten“, destabilisiert werden kann. Das ist dann der Fall, wenn das Pflegekind die Pflegeeltern und die Herkunftseltern als konkurrierend erlebt und entweder eine Dyade mit den Pflegeeltern oder mit den Herkunftseltern aufbauen muss.

Pflegeeltern können lernen, den Herkunftseltern nicht die Deutungsmacht über ihren eigenen Wert zu überlassen. Hilfreich kann es sein, sich bewusst zu machen, dass sich mögliche Abwertungen in der Regel nicht gegen sie als Person richten, sondern gegen ihre Rolle und gegen das schmerzlich erlebte Privileg, mit dem Pflegekind zusammenleben zu dürfen.[1]

Quellen:

[1] Krüger, Eberhard (2016): Pubertät bei Pflegekindern. In: LWL-Landesjugendamt Westfalen (Hrsg.): Ideen und Konzepte 54: Pubertät bei Pflegekindern. Münster. S. 48-57