Jährlich werden in Deutschland 100 bis 200 Babys so stark geschüttelt, dass sie entweder sterben oder schwerwiegende Schäden davontragen, die in 70% der Fälle zu extremen Beeinträchtigungen führen.
Bisher gibt es keine allgemeingültige Definition für das Schütteltrauma-Syndrom. Es wird in der Regel so beschrieben, dass der Säugling am Thorax oder an den Gliedmaßen festgehalten und so stark geschüttelt wird, dass der Kopf ruckartig vor- und zurückfliegt. Mit 66-75% ist das Schütteltrauma-Syndrom die häufigste Todesursache bei Kindesmisshandlung. Häufig tritt das Trauma zwischen dem zweiten und fünften Lebensmonat auf, da Säuglinge in dieser Zeit oft mehr schreien und das Schütteln eine Reaktion aufgrund von Überforderung darstellt. Symptome, die einen Hinweis auf das Schütteltrauma liefern, sind: Passivität, Nahrungsverweigerung, Schläfrigkeit, Erbrechen, Krampfanfälle, Atemstillstand, verlangsamte Herztätigkeit, geringer Muskeltonus und Temperaturregulationsstörungen. Schwere Schädigungen im Gehirn können zu neurologischen Schäden, Entwicklungsstörungen und Sinnesausfällen bis hin zum Koma oder zum Tod führen.
Die Aufnahme eines Kindes mit Schütteltrauma-Syndrom in eine Pflegefamilie erfolgt in der Regel bewusst und da die Prognose bei jedem Kind sehr unterschiedlich ist, empfinden Pflegeeltern bei der Aufnahme des Kindes oft positive Neugier. Gleichzeitig schildern Pflegeeltern, dass sie den leiblichen Eltern Verständnis und Mitgefühl entgegenbringen, da sie davon ausgehen, dass sie ihr Kind nicht schädigen wollten, sondern aus großer innerer Not heraus gehandelt haben.[1]
[1] Vgl. Stahlbaum, Sofie; Wittkowski, Maria (2021): Kinder mit Shaken-Baby-Syndrom in Pflegefamilien. In: Köpcke, Jessica Lilli (Hrsg.): Pflegekinder mit Behinderung. Beltz Juventa. Weinheim. S. 113-125, S. 114-119.