Trauma und Behinderung gehen bei vielen Pflegekindern Hand in Hand und bedingen sich gegenseitig. Menschen mit geistiger Behinderung sind überdurchschnittlich oft von Traumatisierungen betroffen, welche wiederum die Ursache für die Entwicklung psychischer Störungen sein können. Auch von diesen sind Menschen mit geistiger Behinderung drei- bis viermal so häufig betroffen, wie Menschen ohne Behinderung. Bitte klicken Sie die einzelnen Kacheln an, um mehr zu erfahren.
Kindern mit Intelligenzminderungen und / oder weiteren Beeinträchtigungen haben ein erhöhtes Risiko belastende Erfahrungen als Trauma zu erleben. Dies hat folgende Gründe:
- Aufgrund kognitiver Einschränkungen fällt es ihnen schwerer, einen Umgang mit Gewalt, Belastungen und Gefahren zu finden
- Sie verfügen über eingeschränkte Strategien, Erfahrungen zu verarbeiten
- Ihre Kommunikations- und Ausdrucksmöglichkeiten sind geringer
- Viele Menschen mit Behinderung haben Defizite im Bereich der Reizverarbeitung
- Oftmals kommen Regulationsstörungen in den Bereichen Affekt, Motorik und in Bezug auf basale physiologische Bedürfnisse hinzu
- Motorische Einschränkungen begrenzen ihre Möglichkeiten, in einer belastenden Situation zu reagieren[1]
Risiken durch die Lebensbedingungen
Neben den Risikofaktoren, die in der Behinderung selbst liegen, kommen Risiken hinzu, die durch andere Personen oder die Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung entstehen. Hierzu gehören:
- Schwerwiegende medizinische Eingriffe
- Schwerwiegende Vernachlässigung
- Körperliche Misshandlung
- Sexueller Missbrauch
- Stigmatisierung
- Rigide und kontrollierende Lebensbedingungen
- Soziale Isolation[2]
Trauma als Folge von Behinderung
Häufig entstehen Traumata auch erst als Folge der Behinderung. Kinder mit Behinderung zeigen mitunter Verhaltensweisen und Ausdrucksformen, die von Eltern zunächst schwer einzuordnen sind. Dadurch kann es zu Unsicherheiten im Umgang und zu Reaktionen kommen, die nicht immer passend auf die Bedürfnisse des Kindes abgestimmt sind. So können sich die Signale des Kindes und die Reaktionen der Eltern wechselseitig verstärken.
Folgende Aspekte brauchen traumatisierte Pflegekinder mit Behinderung deshalb ganz besonders von ihren Pflegeeltern:
- Sichere und verlässliche emotionale Bindungen
- Das Gefühl, angenommen zu sein und nicht auf die Behinderung reduziert zu werden
- Einen sicheren Lebensort
- Erwachsene, die kompetent die Beeinträchtigung des Pflegekindes ausgleichen können
- Hilfe bei der Entwicklung eines gesunden Selbstwertgefühls, auch als Schutz vor psychischen Erkrankungen
- Möglichkeiten, eigene Selbstwirksamkeit zu erfahren
Selbstverständlich gelten diese Aspekte für alle Kinder – traumatisierte Pflegekinder mit Behinderung sind jedoch besonders auf eine sichere und verlässliche Umgebung angewiesen.
Darüber hinaus können folgende Aspekte für die Begleitung von Kindern mit Behinderung hilfreich sein:
- Kommunizieren auf der Ebene des Kindes
- Das Kind auf seinem bevorzugten Sinneskanal ansprechen
- Art und Grad der Behinderung berücksichtigen
- Dem Kind Klarheit, Einfachheit, Eindeutigkeit, Struktur und Grenzen geben
- Positive Anker-Rituale etablieren, auf die sich das Kind verlassen kann
- Grundsätzlich die Komplexität reduzieren[3]
Quellen:
[1] Vgl. Buitinck (): Nicht nur Trauma. Wenn zusätzliche Beeinträchtigungen die traumatischen Vorerfahrungen von Pflege- und Adoptivkindern begleiten, S. 11. (Fortbildungsfolien)
[2] Vgl. Senckel, Barbara (2008): Wunden, die die Zeit nicht heilt – Trauma und geistige Behinderung. In: Geistige Behinderung 47, 3/2008, S. 246-256.
[3] Vgl. Buitinck (): Nicht nur Trauma. Wenn zusätzliche Beeinträchtigungen die traumatischen Vorerfahrungen von Pflege- und Adoptivkindern begleiten, S. 12-16. (Fortbildungsfolien)