Pubertät und Adoleszenz sind unterschiedlich zu definieren. Unter Pubertät versteht man die Zeit der Geschlechtsreife, die sich zwischen 10 und 16 Jahren zeigt. Als Adoleszenz beschreibt man ein längeres Zeitfenster, das auch psychosoziale Veränderungen miteinschließt. Die Adoleszenz beginnt gemeinsam mit der Pubertät, endet jedoch je nach Betrachtungsweise mit der Volljährigkeit, dem Durchschnittsalter bei Auszug aus dem Elternhaus oder mit Gründung der eigenen Familie.

Der Eintritt der Jungen in die Pubertät erfolgt später als bei den Mädchen. Die individuellen Unterschiede sind dabei jedoch sehr groß. Der Beginn wird dabei durch das Freiwerden von Sexualhormonen und Wachstumshormonen markiert, die zur Ausreifung der Hoden und Eierstöcke, dem Brustwachstum bei Mädchen, der wachsenden Schambehaarung und der Zunahme von Muskulatur bei den Jungen führt. Die Wachstumshormone führen zu einem Wachstumsschub, wobei sich zunächst die Extremitäten verlängern und der Rumpf sich erst später in die Länge streckt.[1]

Die Pubertät bedeutet für viele Eltern Stress, insbesondere dann, wenn sie auch noch mit ihren eigenen Wechseljahren zusammenfällt. Während Töchter Östrogen aufbauen, bildet es sich bei Müttern in den Wechseljahren zurück. Bei Jungen bzw. Männern passiert das gleiche mit dem Hormon Testosteron.[2] Die Pubertät verläuft in drei Phasen, frühe, mittlere und späte, deren Dauer je nach körperlicher und psychischer Entwicklung des Kindes variiert.[3]

DIE VORPUBERTÄT

Die Vorpubertät, auch frühe Pubertät genannt, beginnt bei den meisten Kindern mit dem Ende der Grundschulzeit und dauert durchschnittlich zwei bis drei Jahre.[4] Plötzlich verändert sich alles, der Körper, die Sexualität, die Beziehungen zu Gleichaltrigen und zu den Eltern. Die Kinder können auf keine Bewältigungsstrategien zurückgreifen und sind häufig mit Ängsten konfrontiert, die mit innerer Leere, Vereinsamung und Verwirrung einhergehen können. Sie wollen die Vergangenheit erhalten und sich gleichzeitig voran entwickeln. Nach außen können sie sich unabhängig und aufreizend stark zeigen und im nächsten Moment nach Schmusezeit verlangen.[5] Sie ziehen sich nun häufiger in ihr Zimmer zurück und suchen zunehmend Vorbilder außerhalb der Familie. Wichtig ist es, in dieser Phase eine gute Balance zwischen Freiraum und Schutz zu schaffen und das Kind, wo möglich, mitbestimmen zu lassen.[6]

DIE HOCHPUBERTÄT

Die Hochpubertät,[7] auch mittlere Pubertät[8] genannt, erstreckt sich zwischen dem zwölften und sechzehnten Lebensjahr. In dieser Zeit finden die größten seelischen und körperlichen Veränderungen statt.  Obwohl die Beziehungen zu Gleichaltrigen immer wichtiger werden, ist die Meinung der Eltern in aller Regel sehr bedeutsam. Die Identitätsfindung, die Fragen nach „wer bin ich?“, „was ist meine Meinung?“, „wo ist mein Platz in der Welt?“, „wie ist mein Gefühl dazu, männlich oder weiblich zu sein?“, können zu häufigen Konflikten innerhalb der Familie und im Freundeskreis führen.[9]

Viele Pubertierende wissen nicht, wie sie diese Phase bewältigen sollen und versuchen mit Passivität, Konflikten und Gefühlen aus dem Weg zu gehen. Pflegeeltern oder Lehrer, die ihnen etwas vorschreiben wollen, können als Feinde empfunden werden, gleichzeitig ist das pubertierende Kind aber auf Beziehungen angewiesen und will sich zugehörig fühlen. Gravierende Gefahren in dieser Zeit der Orientierungslosigkeit sind: Alkohol- und Drogenmissbrauch, spektakuläre Mutproben, kriminelle Aktivitäten, Weglaufen von zu Hause, Erleben von Grenzverletzungen, Übergriffe der Gruppe an Einzelnen, Ausleben von sexuellen Fantasien und die Anfälligkeit für Sekten und radikale Gruppierungen.[10] Jugendliche, bei welchen eine ADHS vorliegt, fangen dabei oft früher als andere Jugendliche an, Alkohol zu trinken oder Drogen zu konsumieren, tun dies häufiger und kommen schlechter von den Drogen wieder los.[11] Auch bei Jugendlichen mit FASD lässt sich ein häufigerer Alkohol- und Drogenmissbrauch, abnormes Sexualverhalten und häufigere Straffälligkeit beobachten.[12]

DIE SPÄTPUBERTÄT

Der Übergang von der mittleren in die späte Pubertät ereignet sich manchmal scheinbar von einem Tag auf den anderen. Plötzlich sind die Jugendlichen wieder normal, wissen, was sie wollen und haben realistische und realisierbare Zielsetzungen. Ab dem sechzehnten Lebensjahr beginnt die Spätpubertät und die Situation entspannt sich in den meisten Familien wieder. Im besten Fall werden die Familie und das Zuhause nun das Basislager, von dem aus die Jugendlichen in die Welt gehen können. Das erfordert ein Loslassen auf beiden Seiten, wobei es gleichzeitig schön ist, weiterhin, z. B. durch gemeinsame Unternehmungen, in Kontakt zu bleiben. Wenn die Jugendlichen bei der Planung miteinbezogen werden, können sie dabei lernen, selbst etwas mitzugestalten und selbstwirksam zu sein.[13]

Genau jetzt wäre ein guter Punkt, um sich abzunabeln und die Kinder in die Selbständigkeit zu entlassen. Meist sind jugendliche Pflegekinder jedoch aufgrund ihrer Erfahrungen entwicklungsverzögert und bleiben trotz ihrer gewonnen eigenen Identität in der Abhängigkeit der pflegeelterlichen Versorgung gefangen. Der Übergang in das eigenständige Leben bringt eigene Herausforderungen mit sich, die mit Unterstützung der Pflegekinderdienste angegangen werden sollten.[14]

JUGENDLICHE UNTERSTÜTZEN

Die Zeit der Pubertät hat ihre besonderen Herausforderungen, bei denen Sie als Pflegeeltern unterstützen und begleiten können. Hier sehen Sie einige Aspekte, die sich Jugendliche von ihren Pflegeeltern wünschen:

Respekt: Ein respektvoller Umgang miteinander ist nicht nur in der Jugend zentral. Insbesondere bei Konflikten sollten Eltern jedoch nicht nur Kontrahenten, sondern vor allem auch Vorbild sein. Eltern dürfen dabei auch Stopp sagen, und darauf hinweisen, dass man über alles reden kann, aber in einem angemessenen Tonfall.

Abgrenzung: Pflegeltern müssen lernen loszulassen. Das Kind muss für sich allein herausfinden, was ihm wichtig ist und was nicht und sich Vorbilder suchen. Auch Pflegeeltern sind Vorbilder, mit denen sich das Kind messen und an denen es sich reiben muss. Dabei verlieren sie jedoch keinesfalls ihre Rolle als Ansprechpartner, wenn das Kind mal „Mist“ gebaut hat, oder einen Rat braucht – gerade dann, wenn es sich nicht an das gehalten hat, was die Pflegeeltern zuvor gesagt haben. Es ist wichtig zu vermitteln, dass das Kind ihnen vertrauen kann und in jeder Situation, auch wenn sie schambesetzt oder belastend ist, auf die Pflegeeltern zukommen kann.

Nicht persönlich nehmen: Den ständigen Wechsel zwischen Nähebedürfnis und kategorischer Ablehnung sollten Pflegeeltern nicht persönlich nehmen. Das ist für viele leichter gesagt als getan. Dabei kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass sich die Jugendlichen ausprobieren – im besten Fall an ihren Pflegeeltern. Manchmal hilft es auch, aktiv auf die Jugendlichen zuzugehen und das Gespräch zu suchen. Insbesondere Jungen wünschen sich das von ihren Pflegevätern.

Privatsphäre respektieren: Der Körper verändert sich in der Jugend und vor dem Hintergrund der Frage „bin ich normal so wie ich bin?“ werden viele Dinge schambehaftet. Wichtig ist es, die Grenzen der Jugendlichen und den Wunsch nach Privatsphäre zu respektieren. Dazu kann auch gehören, das Zimmer nicht unaufgefordert zu betreten. Geduld ist gefragt, wenn das Badezimmer lange blockiert ist, wobei gemeinsame Absprachen für solche Situationen hilfreich sein können, und Konflikte reduzieren.[15]

Quellen:

[1] Jenni, Oskar (2021): Die kindliche Entwicklung verstehen. Praxiswissen über Phasen und Störungen. Springer: Berlin. S. 355ff

[2] Krüger, Eberhard (2016): Pubertät bei Pflegekindern. In: LWL-Landesjugendamt Westfalen (Hrsg.): Ideen und Konzepte 54: Pubertät bei Pflegekindern. Münster. S. 25f

[3] Ebd., S. 31

[4] Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (Hrsg.) (2025): Gemeinsam durch die Pubertät. Ein Ratgeber für Eltern zur Sexualentwicklung im Jugendalter. URL: https://shop.bioeg.de/pdf/13660400.pdf (zuletzt aufgerufen am 04.02.2026). S. 10

[5] Krüger, Eberhard (2016): Pubertät bei Pflegekindern. In: LWL-Landesjugendamt Westfalen (Hrsg.): Ideen und Konzepte 54: Pubertät bei Pflegekindern. Münster. S. 31

[6] Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (Hrsg.) (2025): Gemeinsam durch die Pubertät. Ein Ratgeber für Eltern zur Sexualentwicklung im Jugendalter. URL: https://shop.bioeg.de/pdf/13660400.pdf (zuletzt aufgerufen am 04.02.2026). S. 10

[7] Ebd., S. 12.

[8] Krüger, Eberhard (2016): Pubertät bei Pflegekindern. In: LWL-Landesjugendamt Westfalen (Hrsg.): Ideen und Konzepte 54: Pubertät bei Pflegekindern. Münster. S. 32.

[9] Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (Hrsg.) (2025): Gemeinsam durch die Pubertät. Ein Ratgeber für Eltern zur Sexualentwicklung im Jugendalter. URL: https://shop.bioeg.de/pdf/13660400.pdf (zuletzt aufgerufen am 04.02.2026). S. 12.

[10] Krüger, Eberhard (2016): Pubertät bei Pflegekindern. In: LWL-Landesjugendamt Westfalen (Hrsg.): Ideen und Konzepte 54: Pubertät bei Pflegekindern. Münster. S. 33.

[11] Borchard-Tuch, Claudia (2007): Sucht als Selbstmedikation. URL: https://www.pharmazeutische-zeitung.de/ausgabe-062007/sucht-als-selbstmedikation/ (zuletzt aufgerufen am 16.02.2026).

[12] Berufsverband der Kinder- und Jugendärzt*innen e.V. (2024): Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) – Auswirkungen. URL: https://www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/fetale-alkoholspektrumstoerungen-fasd/auswirkungen/ (zuletzt aufgerufen am 16.02.2026).

[13] Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (Hrsg.) (2025): Gemeinsam durch die Pubertät. Ein Ratgeber für Eltern zur Sexualentwicklung im Jugendalter. URL: https://shop.bioeg.de/pdf/13660400.pdf (zuletzt aufgerufen am 04.02.2026). S. 12.

[14] Krüger, Eberhard (2016): Pubertät bei Pflegekindern. In: LWL-Landesjugendamt Westfalen (Hrsg.): Ideen und Konzepte 54: Pubertät bei Pflegekindern. Münster. S. 38.

[15] Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit (Hrsg.) (2025): Gemeinsam durch die Pubertät. Ein Ratgeber für Eltern zur Sexualentwicklung im Jugendalter. URL: https://shop.bioeg.de/pdf/13660400.pdf (zuletzt aufgerufen am 04.02.2026). S. 13ff